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Festival der studentischen Filmkultur Österreichs
Salzburg 8. – 13. November 2010


Vorgestellt: Johann Lurf

Johann Lurfs Filmschaffen besteht (neben installativen Arbeiten) aus einer Handvoll Filme, die er im Laufe seines Studiums an der Akademie der bildenden Künste in Wien gemacht hat. Mit VERTIGO RUSH (2007) gelang ihm bereits ein international viel beachteter Wurf: Der Film lief auf internationalen Festivals (Viennale, Berlinale, Rotterdam), gewann Preise (Preis für innovatives Kino bei der Diagonale Graz, Kunstfilm-Siegerfilm film:riss 08) und wurde vermutlich selbst für Johann Lurf zum unerwartet erfolgreichen Selbstläufer. Nach diesem filmischen und technischen Gewaltakt holte er eine Idee aus der Schublade, die er schon länger dort liegen hatte, einem Befreiungsschlag gleich: 12 Explosionen (2008), ein scheinbar unaufgeregter Film, in dem genau das gezeigt wird, was der Titel uns verspricht. Nun tourt auch dieser Film durch die Festivals, national und international.

Vielleicht sind es die Wendungen in seinen Filmen, die auf eigenartige Weise betörend wirken: ein äußerst langsam rasant werdender 19-minütiger dolly zoom, der plötzlich ins Abstrakte gleitet (VERTIGO RUSH); ein 360-Grad-Kameraschwenk, der sich von neuem wiederholt (pan); eine scheinbar willkürliche Komposition aus Filmausschnitten, die sich in einem Moment kurz treffen, um dann wieder auseinander zu fallen ((ohne titel)); Feuerwerksexplosionen im nächtlichen Wien, die trotz ihrer Vorhersehbarkeit wie unerwartete dramaturgische Kniffe in einem beklemmenden Krimi daherkommen (12 Explosionen), sich in die Wahrnehmung einbrennende Bilder, die eigentlich gar nicht, weil nur ein Bruchteil einer Sekunde, zu sehen sind (Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich 140 9). Es sind Wendungen, Ereignisse, Bilder, die sich zwar leise ankündigen, aber dann doch wie aus dem Nichts erscheinen.

Johann Lurfs Filme stellen unsere Wahrnehmung von dem, was und wie wir sehen oder zu sehen glauben, auf die Probe; selbst dann, wenn man sich die Filme wiederholt anschaut. Sie lullen uns ein in eine trügerische Sicherheit und erwischen uns dann doch immer wieder auf dem falschen Fuß. Und auch nach wiederholtem Male fragt man sich: Waren das jetzt wirklich 12 Explosionen?

Johann Lurf
Jahrgang 1982, lebt in Wien und studierte an der Akademie der bildenden Künste, Wien, u.a. bei Harun Farocki und Walter Obholzer. Abschluss des Studiums im Juni 2009.

Mittwoch 11. November, 18 Uhr, Saal 1

Die Filme (2003 – 2009) von Johann Lurf:

Lurf_ohne_titel_Web(ohne Titel) (2003, 3 min)
Das Video besteht aus 12 Filmausschnitten, die mittels split-screen in Kontext gesetzt werden. Der Filminhalt tritt zugunsten einer Sichtbarwerdung der innerfilmischen Struktur zurück, deren Spannungskurven sich am gemeinsamen Höhepunkt treffen, um sich wieder abzubauen.

Lurf_pan_webpan (2005, 1 min 20 sek)
Das Panorama einer dreigeteilten Welt. Der Kameraschwenk um 360 Grad beginnt auf einem Kinderspielplatz, führt vorbei an einer alltäglichen Szenerie – Fußgänger, Autos, Geschäfte – um am Ende wieder an seinen Ausgangspunkt zurückzukehren. Die Kamera ist nach ihrem Rundblick wieder beim ersten Bild angelangt, und es beginnt – so scheint es – alles wieder von vorne.

Lurf_VertigoRush_webVERTIGO RUSH (2007, 19 min)
Mechanik: Martin Reinhart. Software 1: Johann Horvat. Software 2: Marco Vuco. Indiecam + Grading: Raphael Barth. Electronic: Leo Wolzt

Die technisch aufwändige Versuchsanordnung VERTIGO RUSH besteht aus einer Serie von dolly zooms: einer Folge von in Einzelbildern aufgenommenen Kamerafahrten vorwärts und rückwärts, bei gleichzeitigem Zoom-Einsatz in jeweils gegenläufiger Richtung. Die optische Täuschung des sich zusammen schiebenden Raums wird durch zunächst sanfte, aber später drastische Beschleunigung dieser Pendelbewegung intensiviert – und stufenlos der Abstraktion überantwortet, in ein sich auflösendes Bild überführt.

Lurf_ZwölfBoxkaempfer_WebZwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich 140 9 (2009, 3 min)
Einzelbildreproduktionsvorrichtung: Martin Reinhart. Optisch-digitaler Audiotransfer: Christoph Freidhöfer.

Ein motivisches Kaleidoskop dessen, was wir im Kino sehen und hören, und welche Bilder und Töne dem Kino in der Vorführkabine verloren gehen: Johann Lurf hat in seiner mehrjährigen Tätigkeit als Projektionist nicht mehr spielbare 35mm-Einzelkader zusammengetragen. Das vorhandene Material – Hunderte an Einzelbildern – hat er nach Kategorien geordnet und jedes Bild wieder in der Dauer von einer vierundzwanzigstel Sekunde in einem neuen Kinofilm zusammengefügt.

Lurf_12Explosionen_web12 Explosionen (2008, 6 min)
Kamera: Mark Gerstorfer, Andi Winter, Lorenzo Wasner. Ton: Ton Christian Otto, Dominik Schlager. Mischung: Alexander Zlamal.

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