Protestbilder
#unibrennt – ein Jahr danach
Bilder of the Revolution
Auch das film:riss 09 Festival wurde von der Protestbewegung unibrennt/unsereuni überrascht: der Hörsaal 381 der GesWi, in dem unsere Filmvorführungen stattfinden sollten, war von Studierenden besetzt/befreit und im Foyer, das zum Festivalcafé umgestaltet wird, kochte die Volxküche. Eine sich täglich neu findende und basisdemokratische Bewegung traf auf ein inhaltlich-finanziell durchstrukturiertes und straff geführtes Festivalgebilde. Trotz der Bedenken der Behörden und Universitätsbeamten war aber den Festivalmachern wie auch Hörsaalbesetzern klar: die Protestbewegung und das Festival – beides muss auf der Uni Platz haben, denn beide nehmen sich Raum für eine nicht durchökonomisierte und auf Effizienz hinauslaufende Studierendenkultur. Wir solidarisierten uns gegenseitig.
Die Proteste waren für viele Studierende Weckruf und Motivation. Die basisdemokratische Organisationsstruktur bot ungeahnte Freiheiten. Alle konnten sich einbringen und Dutzende AGs wurden gegründet. Prominente solidarisierten sich, medial wirksam: Josef Hader tourte durch die Hörsäle, Stermann und Grissemann wollten ihre Sendung Willkommen Österreich im Wiener Audimax aufzeichnen, und der Schauspieler Klaus Maria Brandauer kam für eine Stunde in den besetzten Saal der Salzburger GesWi. Die Bewegung blühte – und erlahmte schließlich auch am eigenen Wildwuchs: Diskussionen dauerten Stunden, oft ergebnislos; Plenumsentscheidungen wurden wieder umentschieden; die Masse der Studierenden kam nur noch zu besonderen Events in die besetzten Hörsäle; und immer wieder der Versuch, die wahren Inhalte dieser Bewegung nach Innen und Außen zu transportieren. Ziemlich schnell kam die Frage auf, wie diese HS-Besetzungen aufrechterhalten werden und ob sie mittelfristig die adäquate Form des Protests sein können. Kurz vor Weihnachten fand die Bewegung vorerst ein eher stilles Ende.
Ein Jahr später, im Herbst 2010, ist wenig von den Bildungsprotesten geblieben, außer: viel Groll darüber, dass die bildungspolitischen Entscheidungsträger diese Bewegung einfach nur aussaßen; und: viele Bilder, die die Kraft der Bewegung immer noch in sich tragen.
Zur Festivaleröffnung zeigen wir als Salzburg-Premiere im Das Kino den neuen Kinodokumentarfilm #unibrennt: Bildungsprotest 2.0.
Im Sonderprogramm #unibrennt: ein Jahr danach zeigen wir im HS 381 der GesWi – dort, wo der Bildungsprotest in Salzburg ausgetragen wurde – Arbeiten von Studentinnen und Studenten zu den Bildungsprotesten, mit anschließender Diskussion mit den Filmemacherinnen und Filmemachern.
Festivaleröffnung Montag, 8. November · 20.30 – 22.30 Uhr, Das Kino Salzburg
#UNIBRENNT – BILDUNGSPROTEST 2.0 (2010, 90 min)
REGIE / BUCH AG Doku & coop99
KAMERA AG Doku, Valentin Renoldner, u.v.a.
SCHNITT Dominique Gromes
PRODUKTION Antonin Svoboda coop99 filmproduktion
MUSIK Gustav, Attwenger, Anti-Flag, sowaXx & Föhnshit, Monomania, Das Trojanische Pferd, u.v.a.
Im Verleih von Thimfilm
Ein Protest zwischen Frustration und Euphorie. Als im Herbst 2009 in einer spontanen Aktion das Audimax der Universität Wien besetzt wird, ahnt wohl niemand, dass hier das Epizentrum einer weit über die österreichischen Grenzen reichenden Protestbewegung entstehen soll. Mit modernen Kommunikationsmitteln des Web 2.0 und ohne zentrale Organisation werden in kürzester Zeit über 130 Universitäten in ganz Europa besetzt, hunderttausende Menschen gehen für Verbesserungen im Bildungssystem auf die Straße. Die AG Doku der #unibrennt-Bewegung hat die Proteste zusammen mit vielen Studierenden von der ersten Stunde an dokumentarisch begleitet und mitgetragen. Aus über 900 Stunden gesammeltem Material wurde gemeinsam mit der coop99 ein Kinodokumentarfilm gestaltet, der anhand der Ereignisse die dringliche Hinterfragung unseres Bildungs- und Sozialsystems beleuchtet. Es ist die Geschichte einer Meuterei, die daran zu scheitern scheint, dass das Schiff bereits auf Grund gelaufen ist.
Donnerstag, 11. November · 18.00 – 20.30 Uhr, Saal 2 (HS 381)
Filme aus und über die Protestbewegung (Dauer Filmprogramm ca. 90 Minuten):
DER SALZBURGER UNIBRENNT DEMOZUG MIT ANSCHLIESSENDER HÖRSALLBESETZUNG (28.10.2009) von Emanuel A. Huber / AG Fnord Salzburg, 9 min
VIELSTIMMIG von Jakob Brossmann / AG Doku Audimax Wien, 2009, 1:30 min
DAS BURGTHEATER BRENNT von Samuel Traber, 2009, 14 min
IMAGIN’ AUDIMAX – WORK IN PROGRESS von AG Doku Audimax Wien (Iga-Maria Zakrzewska, Wolfgang Weber, Markus Kienast, Stefan Deutsch, Julia Hemmelmayr, Dominik Götz, Christine Fritz, Jakob Brossmann), 2010, ca. 60 min
CHILDREN OF THE REVOLUTION von Manfred Rainer, 2010m, 1:30 min
Im Anschluss Diskussion mit den FilmemacherInnen
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